Powerplay | Saison 2026/27 | Ausgabe 2
etwas mehr Eiszeit, dazu eine Kabine voller Kumpels, mit denen das Spielen einfach Spaß machte. 2019 erntete er die Früchte dieser Entwicklung: Die Carolina Hurricanes wähl- ten ihn beim NHL-Draft in der zweiten Runde an Position 44. Dass er nicht schon in der ersten Runde gezogen wur- de, war unglücklichen Umständen geschuldet: Eine mehr- wöchige Sperre sowie eine hartnäckige Verletzung zum ungünstigsten Zeitpunkt hatten ihn wohl mehrere Plätze gekostet. Trotz der kleinen Enttäuschung zählte für Rees vor allem eines: Er durfte diesen Tag gemeinsam mit seiner Familie in Vancouver erleben, bevor es nach einem kurzen Abstecher nach Hause direkt weiter ins Trainingslager ging. Auch international sammelte er in diesen Jahren Meriten: Mit dem kanadischen Juniorenteam holte er Gold beim prestigeträchtigen Hlinka-Gretzky-Cup, einem Turnier für U18-Nationalmannschaften. Der direkte Weg in die NHL blieb Rees dennoch verwehrt. Fünf Jahre lang tingelte er durch die AHL, das nordamerika- nische Unterhaus: Chicago, Charlotte, Springfield, Belleville. Seine Bilanz dieser Jahre fällt gemischt aus – auf Höhen- flüge folgten bittere Rückschläge. Der Höhepunkt: 2022 gewann er mit den Chicago Wolves den Calder Cup, die Meisterschaftstrophäe der AHL. Der Meisterring hat daheim in Hamilton einen Ehrenplatz – nach Straubing mitgenommen hat er ihn nicht. Über Vorbereitungsspiele hinaus kam er in der NHL jedoch nie zum Zug. Woran es gelegen hat, darüber spricht Rees offen: Er habe früh eine entscheidende Chance verpasst. Die Lehren daraus nahm er mit ins nächste Kapitel seiner Karriere. Als klar wurde, dass sich an dieser Situation auf absehbare Zeit nichts ändern würde, wagte Rees den Sprung über den großen Teich – erstmals in seiner Profilauf- bahn spielt er außerhalb Nordamerikas. Straubing war dabei keineswegs eine unbekannte Adresse für ihn. Gleich mehrere Fäden liefen hier zusammen: Mit Alex Green hatte er in Chicago zusammengespielt, mit Joseph „Joey“ Duszak in Springfield, und Spencer Kersten, der nur eine halbe Autostunde von Rees’ Heimatstadt entfernt wohnt, kannte er ebenfalls aus dem Profialltag. Den Aus- schlag gab am Ende aber ein Name aus der eigenen Nach- barschaft: Jeremy Williams, gebürtig wie Rees aus Hamilton, hatte von 2016-2021 selbst das Tigers-Trikot getragen und dem damals 15-Jährigen auf dem Eis das Schießen beige- bracht. Sein Insiderwissen über Verein, Stadt und die – in Williams’ Worten – „wilden“ Fans räumte die letzten Zweifel aus. Übrigens: Aus dem früheren Plan, nach der Spielerkar- riere Feuerwehrmann zu werden, ist bei Williams nichts ge- worden – er verkauft heute Autos und schwört, dass sich ein gelungener Abschluss fast so gut anfühle wie ein Torjubel. Dass Rees genau ins Beuteschema der Tigers passt, be- stätigt Sportdirektor Jason Dunham, der ihn als intensiven, beweglichen Stürmer beschreibt, der das Spiel mit Tempo und Energie bereichern soll. Rees selbst unterschreibt diese Einschätzung ohne Zögern: Er spiele frech und unbequem, sei hart in den Ecken, habe aber auch die Technik, um in engen Räumen vor dem Tor gefährlich zu werden. Als sport- liches Vorbild nennt er Philadelphia-Flügelstürmer Travis Konecny: „Er spielt wie eine Ratte“, sagt Rees und meint das als höchstes Kompliment: klein, unangenehm, nie ein- geschüchtert von größeren Gegenspielern. Genau dieser Spielertyp soll nun auch in Straubing für Wirbel und Unruhe im gegnerischen Drittel sorgen. Seine Ambitionen sind klar formuliert: Rees will gewinnen und der Mannschaft helfen, nach den starken vergangenen Spielzeiten den nächsten Schritt zu machen. Sich selbst charakterisiert Rees so: Er sei ein lustiger, umgänglicher Typ – aber sobald gearbeitet werden müsse, werde eben gearbeitet. Neuzugang im Fokus Powerplay 10 | www.tigershockey.de Straubing Tigers
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