Powerplay | Saison 2025/26 | Ausgabe 7

Geschäftsführerin im Fokus  Powerplay In den vergangenen Jahren wurde viel in die Infrastruktur investiert. Gleichzeitig gibt es Stimmen, die angesichts klammer Kassen eine stärkere Zurückhaltung der Stadt fordern. Was entgegnest Du diesen Kritikern – und wünschst Du Dir in dieser Debatte mehr Rückhalt und Vertrauen? Wir müssen vor allem faktenbasiert diskutieren. Eine Studie, die die Stadt Regensburg in Auftrag gegeben hat, zeigt, dass die Eis- bären der Stadt pro Jahr einen Mehrwert von 15,5 Millionen Euro bringen – und das in der zweiten Liga! Bei uns als DEL-Standort dürfte dieser Effekt noch deutlich höher sein. Das sollten sich alle Stadträte einmal zu Gemüte führen! Bzw. noch idealer selbst eine Studie in Auftrag geben. Zudem zahlen wir mittlerweile fast 100.000 Euro Pacht pro Sai- son – beim Aufstieg waren es 7.000 Euro. Dabei nutzen wir das Stadion nur zu etwa 15 Prozent der Zeit. Wir selbst haben in den letzten Jahren Millionenbeträge in die Infrastruktur investiert. Wir tun unser Bestes, aber alles geht nur Schritt für Schritt. Allein schon der aktuelle Umbau der Mannschaftskabine ist kompli- ziert, weil wir zwei Kabinen nebeneinander haben, dazwischen eine tragende Wand – und auf dieser Wand steht die gesamte Südtribüne mit Oberrang. Das ist statisch betrachtet eine große Herausforderung. Auch an diesem Projekt sind wir federführend beteiligt. Mit im Schnitt über 5.300 Zuschauern pro Heimspiel stößt das Stadion zunehmend an seine Kapazitätsgrenzen. Du hast kürzlich im Straubinger Tagblatt von Plänen für zu- sätzliche Sitzplätze gesprochen. Kannst Du uns dazu mehr sagen? Müssen Stehplatz-Fans befürchten, dass neue Sitz- plätze zu ihren Lasten gehen? Es gibt Pläne, die Sitzplätze zu erweitern, aber nicht auf Kosten der Stehplätze. Mehr möchte ich dazu im Moment nicht sagen, da diese Pläne noch keineswegs spruchreif sind. Wie bewertest Du die Zusammenarbeit mit dem EHC Straubing – und welche Rolle spielt der Nachwuchs für die Zukunft der Tigers? Es gibt nichts Besseres, als wenn Kinder Sport machen – egal welche Sportart. Hauptsache, sie bewegen sich, lernen Team- geist und werden von Bildschirmen oder Spielgeräten wegge- bracht. Besonders freut es uns, wenn Kinder wegen der Tigers für den Eishockeysport begeistert werden. Die Zusammenarbeit mit dem EHC Straubing läuft hervorragend, vor allem seit der neuen Vorstand im Amt ist. Ein Teil unseres Etats fließt direkt in den Nachwuchs, und es ist schön zu sehen, dass das Miteinander so gut funktioniert. Natürlich hoffen wir immer, dass irgendwann ein zweiter Stefan Loibl aus dem eigenen Nachwuchs kommt – das wäre „nice to have“. Aber der eigentliche Grund für unser Engagement ist ein gesellschaftlicher: Kinder weg von der Straße, hin zu Bewegung und Teamgeist. Das ist einfach wichtig. Einige Fans äußern Unmut über Donnerstagsspiele und wechselnde Bullyzeiten, die vor allem der TV-Vermarktung geschuldet sind. Wie wichtig ist die TV-Präsenz für die Straubing Tigers und ihre Sponsoren – und wie sehr fließt die Fanperspektive in diese Abwägung ein? Möglichst viel TV-Präsenz ist für uns extremwichtig. Wir kämpfen in der DEL alle mit demselben Problem: Eishockey wird medial noch stiefmütterlich behandelt. In den öffentlich-rechtlichen Sendern existieren wir eigentlich nur bei Olympia; ansonsten dreht sich fast alles um Fußball. Die Liga arbeitet hart daran, das enorme Potenzial unserer Sportart besser zu vermarkten, aber das ist ein mühsamer Weg. Natürlich verstehen wir die Fanperspektive: Ein Donnerstagsspiel in Bremerhaven oder Berlin ist für jeden Aus- wärtsfahrer eine große Hürde, weil man dafür fast immer Urlaub nehmen muss. Auf der anderen Seite sorgt die Verteilung der Spiele von Donnerstag bis Sonntag dafür, dass mehr Eishockey live zu sehen ist. Das steigert das Interesse an unserem Sport insgesamt. Ich schaue mir selbst gerne die Donnerstagsspiele anderer Clubs an, weil es einfach attraktiv ist. Am Ende ist es ein Kompromiss: Er ist für den einzelnen Fan manchmal schmerzhaft, kommt aber der gesamten Liga und damit auch uns zugute. Was treibt Dich auch nach so vielen Jahren in dieser ver- antwortungsvollen Position noch an? Die Tigers sind mein Baby – neben meiner Familie. Es motiviert mich, dass wir uns immer weiterentwickelt haben, wir sind nie stehengeblieben und auch nie abgerutscht. Stück für Stück ging es immer weiter bergauf. Und wenn man sieht, dass sich Dinge positiv entwickeln, dann macht die Arbeit einfach Spaß. Hätten wir das nicht geschafft, könnte niemand von uns sagen, wo wir stünden oder was passiert wäre. Aber glücklicherweise ist alles gut gelaufen – und darum bin ich immer noch da. Früher habe ich gesagt, ich mache es bis 60... jetzt bin ich 64 Jahre alt und immer noch im Amt. Dieses Jahr ist meine 18. Saison als Geschäftsfüh- rerin. Mein nächstes Ziel ist es, die 20 vollzumachen – und dann schauen wir, wie es weitergeht [schmunzelt]. www.tigershockey.de   Straubing Tigers 34  |

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