Powerplay | Saison 2026/27 | Ausgabe 2

In Straubing wollte Liefke diese Möglichkeit nutzen. Sein erster Sommer war deshalb nicht nur ein Trainingssommer, son- dern auch eine Lernphase. Was braucht ein Eishockeyspieler? Welche Eigenschaften sind für die Bewegung auf dem Eis entscheidend? Und wie muss Training gestaltet sein, damit aus einer guten körperlichen Verfassung echte Leistungs- fähigkeit entsteht? Ehrlichkeit schafft Vertrauen Bevor es um Kraftwerte, Sprungtests oder Belastungsdaten ging, musste Liefke zunächst die Mannschaft kennenlernen. Und die Mannschaft ihn. Ein neuer Athletiktrainer bringt neue Abläufe und Vorstel- lungen mit. Hinzu kam, dass sein Vorgänger über viele Jahre Teil der Tigers gewesen war. Liefke setzte deshalb auf Trans- parenz. Noch bevor die erste Einheit begann, stellte er den Spielern seinen Plan für den Sommer vor: Wie sollte eine Trai- ningswoche aussehen? Wann wird trainiert? Wann ist frei? Was erwartet er von den Spielern? Und was können sie von ihm erwarten? Sein Credo dabei: „Ehrlichkeit gewinnt.“ Das gilt auch dort, wo er selbst noch Wissenslücken hatte. „Ich bin in die Kabine und hab gesagt, was ich mir vorstelle. Dass ich aber gleichzeitig erst einmal auch Hilfe brauche, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie die Sportart läuft.“ Für Liefke kein Zeichen von Schwäche, sondern von Professio- nalität. Die Spieler sollten wissen, woran sie sind. Und Liefke wollte verstehen, wie seine neue Mannschaft funktioniert. Die Offenheit zahlte sich aus. „Ich glaube, dass diese Trans- parenz dazu geführt hat, dass wir einen echt guten Sommer hatten und dass sich schnell ein gutes Verhältnis entwickelt hat.“ Die Daten erzählen nur einen Teil der Geschichte Wer Christian Liefke bei der Arbeit beobachtet, begegnet schnell einer Welt voller Zahlen. Sprünge werden gemessen, Belastungen erfasst, Herzfrequenzen aufgezeichnet, Leis- tungswerte verglichen. Doch so datengetrieben seine Arbeit auch ist: Am Anfang steht für Liefke nicht die Zahl. Am Anfang steht der Mensch hinter dem Athleten. „Wenn du nur in der wissenschaftlichen Schiene fährst, geht dir dieser zweite Aspekt verloren.“ Deshalb wollte er zunächst wissen, wer die Spieler über- haupt sind. „Wie lange bist du schon hier? Wie sieht deine familiäre Situation aus? Wie tickst du? Was beschäftigt dich?“ Erst danach wurde das Bild sportlich genauer. Liefke ließ die Spieler zunächst selbstständig trainieren und beobachtete: Wie bewegen sie sich? Wo liegen ihre Stärken? Wo gibt es Auffälligkeiten? Gespräche, Beobachtungen und Leistungsdiagnostik wurden anschließend zusammengeführt. So entstand für jeden Spieler ein individuelles Profil. Individualisierung bedeutet dabei nicht, dass jeder Spieler sein eigenes Trainingsprogramm bekommt. Die Mannschaft absolviert grundsätzlich dieselben Trainings- inhalte. Die Unterschiede liegen tiefer. Ampel auf Gelb Zu Beginn der Trainingswoche werden unter anderem Schlaf, subjektives Wohlbefinden und der Zustand der Muskulatur erfasst. Dazu kommt die neuromuskuläre Testung. Ein Sprung auf der Kraftmessplatte liefert weitere Informationen. Aus den verschiedenen Werten errechnet das System eine Ampel. Sie zeigt, wo genauer hingeschaut werden sollte. Ist ein Spieler auffällig, folgt nicht sofort eine Trainingsan- passung. Zunächst wird gesprochen: Was ist los? Wo liegt möglicherweise die Ursache? Erst dann wird gemeinsam mit den Trainern entschieden, ob die Belastung verändert werden muss. Vielleicht absolviert ein Spieler weniger Durchgänge auf dem Eis. Vielleicht werden Übungen im Kraftraum angepasst. Die grundsätzlichen Trainingsziele bleiben bestehen – der Weg dorthin kann sich verändern. | 31 Powerplay Athletic Coach im Fokus Straubing Tigers www.tigershockey.de

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