Powerplay | Saison 2026/27 | Ausgabe 2
| 33 Powerplay Athletic Coach im Fokus Der Weg zurück beginnt lange vor dem Comeback Dieser Gedanke gilt auch im Umgang mit Verletzungen. Eine Verletzung bedeutet Einschränkung. Aber sie muss nicht Still- stand bedeuten. „Eine Verletzung ist immer eine Phase, um etwas anderes aufzubauen.“ Wenn ein Spieler nicht laufen kann, gibt es andere Möglichkeiten zu trainieren. Man muss sie nur finden. Liefke kennt die Perspektive des verletzten Sportlers aus eige- ner Erfahrung. Seine Kreuzbandverletzung und die wissenschaft- liche Beschäftigung mit dem Thema Return to Play in seiner Masterarbeit haben seinen Blick auf Rehabilitation geprägt. Für ihn ist entscheidend: Fit fürs Eis ist nicht automatisch fit fürs Teamtraining. Und fit fürs Teamtraining bedeutet noch nicht automatisch bereit für einen Einsatz. Der Eishockeysport stellt Anforderungen, die sich im Kraftraum oder auf dem Laufband nur begrenzt simulieren lassen. Beschleunigungen, Richtungswechsel, Sprünge, Landungen und die Belastung der Gelenke müssen deshalb zunehmend dort trainiert werden, wo sie tatsächlich entstehen: auf dem Eis. Dabei helfen die Baseline-Werte aus der Leistungsdiagnostik. Frühere Messungen können mit aktuellen Werten verglichen werden, ebenso die beiden Körperseiten. Dann wird es immer spezifischer. Gemeinsam mit Skills Coach Aleks Kercs folgt der nächste Schritt: vom Skating über die Skills zum teilin- tegrierten Training und schließlich zurück in die komplette Mannschaft. Wann dieser Schritt tatsächlich erfolgt, entscheidet Liefke nicht allein. Zunächst braucht es die medizinische Freigabe. Danach beurteilt der Athletikbereich die Belastbarkeit. Erst anschließend entscheidet der Trainer, ob und in welchem Umfang der Spieler wieder eingesetzt wird. „Die Entscheidung am Ende ist immer eine gemeinsame.“ An diesem Punkt treffen unterschiedliche Interessen aufein- ander: Der Spieler möchte zurück aufs Eis, der Trainer möchte auf seinen Spieler zurückgreifen, während die medizinisch und athletisch Verantwortlichen Belastbarkeit und Risiko be- urteilen. Am Ende bleibt ein kalkuliertes Risiko. Umso wichtiger ist für Liefke eine gemeinsame und transparente Entschei- dungsgrundlage. Nicht erhalten. Besser werden . Wenn Christian Liefke nach seiner ersten Saison in Straubing Bilanz ziehen wird, wird der Blick auf die Tabelle nur einen Teil seiner Geschichte erzählen. Natürlich geht es um Siege, natürlich geht es um Leistung. Aber für Liefke wird auch ent- scheidend sein, ob vermeidbare Verletzungen reduziert wer- den konnten. Kontaktverletzungen und kleinere Beschwerden lassen sich nicht vollständig ausschließen. Doch dort, wo Einfluss möglich ist, möchte Liefke ihn nutzen. Und dann ist da die Entwicklung der Spieler. „Nicht nur er- halten, sondern besser werden.“ Vielleicht beschreibt dieser Satz seinen Ansatz am besten. Die Saison soll nicht nur da- von handeln, die Fitness aus dem Sommer über die Monate zu retten. Auch während des Spielbetriebs soll Entwicklung möglich sein – mit Training, Regeneration, Daten und Erfah- rungswerten. Vor allem aber mit einem klaren Blick auf den Menschen, der hinter all diesen Zahlen steht. „Wenn wir am Ende da rausgehen und uns in die Augen schau- en können: Wir haben alles dafür getan, besser zu werden und das Feedback ist positiv – das wäre für mich das Aller- wichtigste.“ Florian Stögmüller Straubing Tigers www.tigershockey.de
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